Corporate Behaviour ist grundsätzlich eine Frage der Corporate Culture. Ein modernes Unternehmen wird idealerweise von einem Management geleitet, in dem Leadership Principles des 21. Jahrhunderts verankert sind. Ist Microlearning hierbei eine geeignete Methode?

Die Frage, ob einem FIFA Boss eine goldene Uhr geschenkt werden kann, wird sich heute niemand mehr zu fragen trauen – geschweige denn, es einfach tun, in der Annahme, es sei in Ordnung.

Aber es gibt unzählige Konstellationen, die nicht so klar auf der Hand liegen wie das Beispiel mit der Uhr.

Ein anderes Beispiel: Die Marketing-Abteilung möchte eine VIP-Lounge für die Basketball-Stadtmannschaft mieten, um dort die Kunden zum Netzwerken und Anbahnen von Geschäftsabschlüssen einzuladen. Ist das o.k.? Oder fällt dies unter die Kategorie Geschenke, die aus Compliance-Gründen besser nicht gemacht werden sollten?

Wir sehen: Was in den großen Dimensionen so klar scheint, das ist im Einzelnen überhaupt nicht eindeutig.

Compliance wird in der Welt, in der wir leben, immer wichtiger und auch komplexer. Unternehmenswerte wie Corporate Behaviour und nachhaltiges Unternehmenshandeln sind keine Buzzwords, die eine Website schön machen und an einer Tafel irgendwo in der Kaffeeküche hängen.

Doch was genau ist eigentlich Corporate Behaviour?

Corporate Behaviour im Microlearning

Aus den Werten des Unternehmens werden Anforderungen an das Mitarbeiterverhalten abgeleitet. Diese Anforderungen setzen sich zusammen aus Rechten und Pflichten, die als Gebote und Verbote kommuniziert werden und in summa den sogenannten Corporate Conduct der Organisation konstituieren und prägen. Aus der Summe aller Handlungen, die den gestellten Anforderungen genügen, entsteht das von außen wahrnehmbare Corporate Behaviour, das Teil der Corporate Identity des Unternehmens ist.

Die Einhaltung von Unternehmenswerten ist wichtig, weil die Nichteinhaltung juristische Konsequenzen nach sich ziehen kann. Wirtschaftlicher Schaden, schlimmstenfalls Reputationsschaden sind die Folgen.

Aber das ist das Angstszenario der Compliance von gestern. Compliance 4.0 führt zum Bewusstsein, dass klare Kommunikation von Richtlinien und Verhaltensanforderungen für das Unternehmen nicht nur ein gelungenes Risikomanagement bedeutet, sondern vor allem jedem Mitarbeiter die Möglichkeit gibt, die Unternehmenswerte täglich zu leben und mitzugestalten.

Das bedeutet praktisch: Compliance in Zeiten von New Work ist nicht, wie früher, ein nerviges Muss aus Angst vor Sanktion, es kann, richtig angewendet, ein neues Verständnis von Regelkonformität bewirken, mit dem der Angestellte selbst einen Beitrag zu gutem und nachhaltigem Unternehmenshandeln leistet und sich dabei wohlfühlt.

Wie funktioniert das in der Ausführung?

Wie dringen die Compliance Regeln bis zum letzten Mitarbeiter durch, erreichen ihn in ihrer Komplexität, beinflussen sein Corporate Behaviour und machen konkretes Handeln möglich?

Der Bereich wird in der Regel in der Rechtsabteilung mit abgedeckt, in größeren Unternehmen gibt es einen Compliance Officer.

Diese Instanzen haben in der Regel noch andere Dinge zu tun, als im Einzelfall als Ratgeber zur Seite zu stehen. Hinzu kommt, dass, wie Juristen nun einmal sind, sie in der Regel sorgfältig jeden Ratschlag, den sie geben, absichern und ggf. selbst erst noch einmal nachschauen müssen. Bis sie entschieden haben, ist das Angebot für die VIP-Lounge nicht mehr da, weil ein anderer es sich geschnappt hat.

Wir haben es also hier mit einem strukturellen Kommunikationsproblem zu tun. Und hierbei geht es dann nicht nur um Compliance-Richtlinien im engeren Sinne (also z. B. Anti-Korruption, Geschenke und Einladungen, Kartellrecht, Interessenkonflikte), sondern um ein umfassendes Verständnis von Compliance. Compliance im neuen Sinne 4.0 heißt Entscheidungen transparent, agil und im Sinne der Unternehmenswerte zu treffen und den Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, seiner Verantwortung gerecht zu werden.

Die gute Nachricht ist: Es gibt mittlerweile Microlearning Tools, die Richtlinien und Verhaltensregeln für einzelne Mitarbeiter so zugänglich machen, dass sie selbst derartige Entscheidungen treffen können oder schnell wissen, wohin sie sich für Rat und Tat wenden können.

Die Kommunikation von Compliance-Richtlinien findet schon seit einigen Jahren über E-Learning statt. Es hat aber bekanntermaßen seine Grenzen. Vor allem schafft es eines nicht: Mitarbeiter zu begeistern, da beim E-Learning naturgemäß die Lernkomponente im Vordergrund steht. Auf den Punkt gebracht: E-Learning ist langweilig. Das haben kluge Köpfe erkannt und aus diesem Grunde das sogenannte „Microlearning“ auf den Markt gebracht: Microlearning gehört zu den „10 key trends in Digital Learning for 2019“.

Während die Einführung vom häppchenweisen Lernen seit über 15 Jahren im Trend liegt, wird die jüngste Version unter dem Label „Microlearning” für 2019 zwangsläufig ein Thema sein – vor allem, weil es mit Video kombiniert wird.

Denn wie man klar erkennen kann, werden Videos und Microlearning in den kommenden Jahren eine sehr hohe Bedeutung im Unternehmen und somit auch einen sehr hohen kommerziellen Erfolg attestiert. Dies zeigt eine Expertenbefragung von Statista zum Thema E-Learning:

E-Learning / Microlearning im Corporate Behabiour Umfeld

 

Der Bedarf nach Microlearning ist vor allem durch die sinkende Aufmerksamkeitsspanne der Mitarbeiter gegeben. Wenige Tage nach einem Training erinnern sie sich nur noch an ca. 40% der vermittelten Inhalte.

Daher drängen Learning-Anbieter drängen unter dem Label Microlearning, also häppchenweises Lernen, auf den Markt.

 

Doch für beides, für E-Learning und für Microlearning, gilt:

Lernen ist ein Prozess und eine Reise. Die Vermittlung von Inhalten allein kann keinen Bewusstseinswandel schaffen. Bei Compliance geht es darum, kontinuierlich Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Thema Regelkonformität in der Belegschaft aufzubauen. Das bedeutet, echte Lernerfahrungen anzubieten, die zielgerichtete Praxis- und Lernzyklen am Arbeitsplatz beinhalten.

Und wenn Microlearning das nicht bietet, dann ist es keine neue Lösung, es ist nur neuer Wein in alten Schläuchen.

 

Das bisher angebotene Microlearning wird aus folgenden Gründen von Mitarbeitern für unzureichend empfunden:

 

  • Die Kursformate sind kürzer, aber nicht unbedingt besser
  • Multiple Choice Abfragen werden kopiert oder nicht selbst geklickt
  • Neue Verhaltensweisen werden nicht angeregt

 

Ein völlig neuer Ansatz ist der Microlearning Service der C2S2 Rulebook Plattform:

 

Die Plattform ist eine Web-Applikation, die über die C2S2 Network Cloud betrieben wird und Mitarbeitern im Entscheidungskontext Informationen über die Einhaltung von Unternehmensregeln über verschiedene Funktionen verfügbar macht. Rulebook wird in den Arbeitsalltag des Mitarbeiters integriert, der dazu motiviert wird, sich an Regeln zu halten, und zwar aus dem einfachen Grund, weil er situativ, jederzeit schnell und unkompliziert „nachschauen“ kann, welche Anforderungen gelten und wie sie in die Praxis umgesetzt werden können. Das bedeutet im Detail:

 

Die Unternehmensrichtlinien und Verhaltensregeln liegen in der C2S2 Rulebook Plattform digitalisiert in Form von sog. Use Cases (Frage-/Antwortkombinationen) vor. Mit diesen Use Cases können jeweils weitere Inhalte in Form von Texten (z.B. Bedingungen, fachliche Hinweise), elektronische Dokumente und Erklärvideos verknüpft und über die C2S2 Plattform angezeigt/bereitgestellt werden.

Der Microlearning Service der C2S2 Rulebook Plattform verbindet unterschiedliche Arten des Lernens miteinander zu einem Gesamtkonzept.

 

1. Explorative Learning

Rulebook - compliance microlearning Plattform

Das Rulebook wird vom User als digitaler Assistent genutzt, indem die Regelungen mit praktischen Entscheidungshilfen intuitiv bereitgestellt werden. Mitarbeiter werden im Nutzungskontext auf weitere Themenstellungen aufmerksam und „lernen“ unbewusst im Kontext ihrer konkreten Entscheidungssituation.

 

2. Microlearning Campaigns

In kurzen Sequenzen werden Mitarbeiter regelmäßig mit konkreten Fragestellungen adressiert, die sie beantworten müssen. Teilnahme, Frequenz und Ergebnisse der Beantwortungen werden dokumentiert und sind auswertbar.

 

3. Blended Learning

Corporate Behaviour im rulebook Microlearning

Unterschiedliche Präsenztrainingsformate können mit geeigneten Microlearning Tools digital unterstützt werden. So können Erfahrungen und Erkenntnisse der Teilnehmer interaktiv reflektiert werden und auch zur Verbesserung der Rulebook Inhalte beitragen.

Die eingangs beschriebene Frage, ob Kundengeschenke überhaupt noch erlaubt sind, kann naturgemäß juristisch nur sehr trocken und umständlich beantwortet werden. Mit dem Rulebook kann der Mitarbeiter in der jeweiligen Situation rasch die richtige Entscheidung treffen oder ist per oben beschriebenem Microlearning auf die Situation bereits bestens vorbereitet. Er kann sich also mit dem Rulebook konkret selbst beantworten, welche Geschenke er machen darf und wen er wohin einladen darf oder das eben besser aus Compliance-Gründen besser nicht tun sollte.